Weniger Salat ist keine Lösung

Weniger Salat ist keine LösungIch habe Blumensamen gekauft, um Pflänzchen für den Balkon zu ziehen. Ich hatte schon einen Stapel Plastikbecher in der Hand, habe sie aber doch liegen gelassen, weil ich die Samen stattdessen in mit Erde gefüllte Pappbecher stecken werde. Pappbecher bekommt meine Freundin jeden Morgen beim Bäcker, bei dem sie sich ihren schwarzen Tee holt. Die spült sie im Büro aus und bringt mir alle paar Tage einen Stapel mit. Weil meine Freundin nicht so viel Tee trinken kann, dass ich bis zum Frühjahr genug Becher habe, sammle ich unsere leeren Milchtüten, spüle sie aus und schneide sie auf halber Höhe durch. Wenn man in den Boden ein Loch bohrt und die Seiten bemalt, kann so ein Tetrapack ganz schön was hermachen.

Zum Ausspülen der Milchtüten nehme ich kein frisches Wasser. In unserer Küche stehen immer drei, vier halb ausgetrunkene Wassergläser vom Abend zuvor herum, damit gieße ich normalerweise die Zimmerpflanzen. Aber die brauchen zurzeit nicht viel Wasser, also kann ich es für die Milchtüten nehmen. Dann ist aber immer noch jede Menge schales Wasser übrig. Denn ich schütte auch das Wasser nicht weg, in dem ich den Salat wasche. Das fülle ich in die Gießkanne auf dem Balkon. Isst man oft Salat, kommt rasch mehr Wasser zusammen, als in eine 14-Liter-Gießkanne passen. Auf unserem Balkon stehen zwei Zehn-Liter-Eimer. Würde ich mich nicht vor den Nachbarn schämen, würde ich größere Eimer aufstellen. Man kann mit nicht benötigtem Gießwasser zum Beispiel den Dreck von Gummistiefeln waschen, wenn man denn welche tragen würde. Oder das Klo spülen. Ich bin recht erfindungsreich geworden, was die Weiterverwertung von Wasser betrifft. Aber es kommt immer mehr Wasser zusammen, als ich wiederverwerten kann.

Weniger Salat essen, wäre eine Lösung. Zumal nicht einmal unsere Schule das benutzte Wasser will. Wo man dort ansonsten dankbar ist für alles, was die Kinder zu Hause entbehren können. Einseitig bedrucktes Papier oder Stoffreste, Wolle, Schuhschachteln, Marmeladengläser. Auch im Kindergarten. Dort haben die Kinder alle Spielsachen weggepackt und sie in den Urlaub geschickt. Als mir mein Sohn davon erzählte, habe ich genickt und ihm kein Wort geglaubt. Bis ich ihn neulich beim Abholen nicht fand, weil er mit seiner Freundin in einem riesigen Karton saß. Darin hatten die beiden gespielt, das war ihr U-Boot.

Ich bin dankbar für spielzeugfreie Tage, weil dann alles, was landläufig lieblos als Müll bezeichnet wird, in die Kita gebracht werden darf. Joghurtbecher, Korken, Knöpfe, alte Zeitungen. Wir haben auch Joghurt-Eimerchen, Eierkartons, genug für mehrere Probenräume, Bläschenfolie für einen ganzen Wohnungsumzug. Nur mein Wasser will niemand. Also säe ich neue Samen, aus Samen werden Blumen, die brauchen Wasser.

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