Radfahren ist nichts für mich

Am Mittwoch vergangener Woche fuhr ich mit dem Rad nach Charlottenburg. Die Sonne schien, der Radweg war breit, ich schoss mit einigem Tempo an der Spree entlang und freute mich, dass ich ohne Mühe im sechsten Gang fahren konnte. Ich war gerade unter einer Brücke durchgefahren, da kam jemand von der Seite, ebenfalls auf dem Rad. Ich nahm an, er würde bremsen, er nahm an, ich würde bremsen, also bremste erst keiner von uns und dann alle beide, aber mit Karacho. „Bisschen langsamer würde auch gehen, oder?“, rief der andere, und ich: „Sie waren doch genauso schnell!“ Damit war die Sache noch nicht vorbei. „Es gilt immer noch rechts vor links“, brüllte der andere, woraufhin ich meinen Jetzt-werde-ich-Ihnen-aber-mal-was-sagen-Blick aufsetzte und rief: „Wer kam denn hier von rechts?“ Die Ruferei war unnötig, wir standen keinen Meter voneinander entfernt. Weil der andere das jetzt auch bemerkt hatte, sagte er ganz ruhig: „Ich kam von rechts.“

Weil ich mich mit so einem Quatsch natürlich nicht aufhalten lasse, stieg ich wieder aufs Rad und fuhr weiter, nach ein, zwei Tritten floss wieder sauerstoffgesättigtes Blut durch mein Hirn, und vielleicht lag es daran, dass ich mich jetzt auch wieder erinnerte, wo rechts und wo links war. Und dabei feststellte, dass der andere recht gehabt hatte. Ich hätte ihn vorbeilassen müssen. Ob er noch länger stehen blieb, kann ich nicht sagen. Ich musste ja nach vorne gucken.

Am Freitag stieg ich wieder aufs Rad, diesmal, um meinen Sohn von der Kita abzuholen. Der Eingang zum Garten war mit rot-weißem Absperrband umwickelt, hüfthoch aber nur, also bückte ich mich und schlüpfte drunter durch. Ichmusste ja zu meinem Kind. Zwei andere hatte ich an der Hand, ein eigenes und ein mir für den Nachmittag anvertrautes. Die Bauarbeiter schimpften, ich lächelte freundlich zurück. Während ich nach meinem Sohn Ausschau hielt, umwickelten die Bauarbeiter das Tor und auch die Tür zum Fahrradabstellplatz mit ihren Bändern. Das merkte ich erst auf dem Weg hinaus, nun mit drei Kindern im Schlepptau.

Diesmal wurden die Bauarbeiter laut: „Gehen Sie die zwei Meter doch außenrum, Herrgott, ist das so schwer?“ – „Ich muss doch zu unseren Fahrrädern“, rief ich, worauf sie erwiderten: „Wie kann man nur so verantwortungslos sein!“ Darauf sagte ich dann nichts mehr, aber es blieb mir nichts anderes übrig, als umzukehren, ich wäre aus dem rotweißen Sperrgebiet sonst nicht mehr hinausgekommen. Also krochen wir zu viert unter dem Band wieder hindurch. Im Garten gab es fragende Blicke der Erzieher, der Eltern und vieler vernünftiger Kinder.

Aus so viel Missgeschick habe ich jetzt den einzig möglichen Schluss gezogen. Ich werde das Radfahren bleiben lassen. Das ist einfach nichts für mich.

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