Mit Unterhosen putzt man nicht

Als die Putzfrau das Sofa von der Wand zieht, beschließe ich, die Wohnung zu verlassen und irgendwo einen Kaffee zu trinken. Sie bleibt drei Stunden, da bleibt mir nach dem Kaffee sogar noch genügend Zeit, um zu Obi zu fahren und endlich das ausziehbare Wäschegitter umzutauschen. Ich habe gestern Abend unter hämischen Kommentaren meines Mannes den Schreibtisch leergeräumt und mit einem feuchten Lappen drübergewischt. Auch die Fensterbretter und die frei zugänglichen Stellen an den Bücherregalen habe ich saubergemacht. Ich finde, das reicht. Ich muss ihr nicht auch noch Gesellschaft leisten.

Unsere Putzfrau macht gründlich sauber, und im Grunde mögen wir einander recht gern. Sie weiß genau, was sie will. Sie schreibt mir auf, welches Scheuerpulver sie haben will und welchen Edelstahlreiniger, sie braucht Brennspiritus und Tabs, die man ins Klo werfen kann. Die größten Probleme in unserem Haushalt sind ihrer Meinung nach Kalk, Staub und Haare. Mein Mann und ich haben mehr als genug Haare auf dem Kopf. Das bleibt nicht ohne Folgen.

Über Kalk haben unsere Putzfrau und ich schon lange nicht mehr geredet. Den scheint sie irgendwie abgeschafft zu haben, obwohl wir weiterhin so hartes Wasser haben. Wir unterhalten uns lieber über die Angewohnheiten der anderen Leute, bei denen sie putzt. Das ist wesentlich interessanter.

Ich habe nicht nur Staub gewischt, ich habe auch unter dem Bett gesaugt und im Kinderzimmer alles aus dem Weg geräumt, was beim Bodenwischen stören könnte. Den Sand im Flur habe ich mit den Füßen zusammengeschoben und das Häufchen mit nassem Küchenpapier aufgetupft. Unsere Putzfrau soll nicht denken, dass wir dreckig sind.

Statt aber mein Vorbereitungsputzen zu würdigen, schimpft sie über die alten, aber bei 90 Grad gewaschenen Herrenshorts, die ich in den Eimer mit den Putzlappen geworfen hatte. Sie putze nicht mit Unterhosen, sagt sie. Kein Problem, sage ich und denke an meine Tante. Die hängt keine Damenunterhose neben Herrenunterhosen, sie verhängt Unterwäsche grundsätzlich nur mit T-Shirts und Hemden. Jeder, wie er mag.

Dann macht unsere Putzfrau eine Bemerkung über meinen Bauch. Sie macht oft Bemerkungen über meinen Bauch. Diesmal fragt sie, ob ich abgenommen hätte. Zwei Kilo? Beim letzten Mal hat sie noch gesagt, ich hätte drei oder vier Kilo zugenommen. Manchmal fragt sie, ob ich schwanger sei. Manchmal sagt sie, meine Brüste seien größer geworden. Ein andermal fragte sie, ob ich nur an den Schläfen so viele graue Haare hätte oder überall. Als ich bei Obi an der Kasse stehe, hoffe ich, dass zu Hause alles in Ordnung ist. Lieber Gott, mach’, dass sie keine Unterhosen hinter dem Sofa findet.

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